Höhentrainingslager Bulgarien

26.02.-18.03.2015 Belmeken

Vom 26. Februar bis zum 18. März befinden sich Sarah Wendt, Jonas Mier, Liam Glatz, Paul-Arwed Böttcher, Noel Pascal Thiel, Carl Christian Nehls und Ole Christian Eisenberg auf dem Belmeken in Bulgarien im Höhentrainingslager. 21 Tage wird sich in 2050 Meter für die anstehenden Meisterschaften vorbereitet.

26. Februar 2015: "Wer Abenteuer sucht...

 

...findet nicht immer das Angenehmste." Sieben Sportler sind mittlerweile im verschneiten Rilagebirge angekommen. 21 Tage gemeinsames Training in der Höhe liegen vor den Jungs und Mädels aus Rostock. Der Anreisetag war lang und abwechslungsreich hinsichtlich der Temperaturen. Bei Minusgraden Deutschland verlassen, bei deutlichen Plusgraden in Sofia gelandet, stecken wir nun wieder im tiefsten Winter. Schnee wohin das Auge auch blickt, "fast wie in Norwegen" könnte man meinen...

27. Februar 2015: "Wer begonnen hat...

 

...hat schon zur Hälfte gehandelt." Der zweite Tag auf dem Berg und der erste volle Trainingstag liegen jetzt hinter uns. Es gibt viele Dinge, die sich glücklicherweise seit unserem letzten Besuch nicht geändert haben. Das Essen ist unheimlich lecker und in Massen vorhanden, tatsächlich auch immer noch sehr schafskäselastig, das Küchenpersonal ist äußerst charmant und für Mittagsschlaf bleibt stets Zeit. Heute haben wir einen Teil der Schwimmzeit mit den bulgarischen Ringern verbracht. Die haben definitiv Masse- und Definitionphase bereits hinter sich gebracht, also Vorsicht...

28. Februar 2015: "Die Zeit verweilt lange genug...

 

...für denjenigen, der sie nutzen will." Da neigt sich wieder ein voller Trainingstag dem Ende. Die Schwimmkilometer erhöhen sich langsam, im Kraftraum wurden die ersten Gewichte bewegt. Zu all dem Sport kommt nun noch Unterrichtszeit dazu. Die Französische Revolution macht auch vor dem Klassenraum auf dem Belmeken nicht halt. Wir sind nicht mehr alleine in der Schwimmhalle, ab morgen steigt deutsche Konkurrenz ins Becken mit ein...

1. März 2014: "Schnee ist auch nur...

 

...schick aufgemachtes Wasser." Die Anpassungsphase endet in der Höhe mit dem ersten freien Nachmittag und den haben wir genutzt. Nachdem es zunächst für mehrere Stunden in die warme Schwimmhalle ging, haben wir uns nach dem Mittagsschläfchen erstmals nach draußen gewagt. Und es hat sich gelohnt. Schnee, soweit das Auge reicht. Anschließend begann die erste Phase eines heiß umstrittenen Monopoly-Spiels. Das Team aus Zimmer 1312 und 1313 liegt momentan knapp in Führung, wird aber auch hart boykottiert...

2. März 2015: "Die Monotonie in der Einsamkeit...

 

...beruhigt die Seele." Nach einem halben Trainingstag folgt selbstverständlich wieder einer mit drei Trainingseinheiten. Morgens ein Besuch im Kraftraum, anschließend ein Besuch in der Schwimmhalle, später ein Besuch im Unterrichtsraum, abschließend wieder ein Besuch in der Schwimhalle. Die Kilometer sammeln sich unaufhaltsam, aber dafür sind wir ja angetreten. Wir verlassen so langsam den entspannten Ausdauerbereich, es wird intensiver...

3. März 2015: "Ausdauer und Entschlossenheit sind zwei Eigenschaften...

 

...die bei jedem Unternehmen den Erfolg sichern." Hier oben auf dem momentan stürmischen Berg wird immer noch sehr ausdauernd und zumeist entschlossen gearbeitet. Mittlerweile erhöhen wir mutig die Trainingskilometer und Intensität. Und wir haben uns eingelebt, die Gleichförmigkeit nimmt ihren Lauf. Krafttraining mit den griechischen Tennisspielern, Schwimmen mit den deutschen Konkurrenten, Sauna mit den bulgarischen Ringern, Abendessen mit allen und dem dem besten bulgarischen Musikfernsehsender, da muss für heute keiner absagen...

4. März 2015: "Für den Irren ist jeden Tag ein Fest!"

 

Wir haben heute den dritten vollen Trainingstag hinter uns gebracht. Ganz richtig, wir haben den 2,5-Tage-Rhythmus verlassen und uns entschieden, nur noch zu trainieren. Nein, nicht ganz, die Zeit für den Klassenraum im dunklen Untergeschoss nehmen wir uns selbstverständlich. Die Französische Revolution findet langsam ihr Ende, das Grundgesetz wurde durchgeackert und alle Nullstellen berechnet. Die restliche Zeit verbringen wir beim Essen, im Bett, in der Schwimmhalle oder im Kraftraum, das nur, falls uns jemand sucht...

5. März 2015: "Eine Schneeflocke macht noch keine weiße Landschaft."

 

Das mag so sein, bei uns fallen sie seit Stunden in Massen und alles ist weiß. Und wir wissen, wovon wir reden, wir haben es uns heute ganz aus der Nähe angesehen. Dieser Tag war wieder ein halber Trainingstag, selten genug. Sehr, sehr lange Schwimmeinheit heute morgen, ein bisschen Mittagspause und anschließend ganz viel verschneite Natur. Danach das Finale im Monopoly. Das Zimmer 1312 musste die Führung leider an das Zimmer 1311 abgeben, welches nun an der Börse einsteigen wird, nicht wahr...

6. März 2015: "Aufgeben widerspricht der Aufgabe."

 

Tja, was gibt es heute zu berichten außer Training? Da wir uns nun gegen jegliche Pausen entschieden haben, spielt sich die meiste Zeit im Untergeschoss auf den fünf Bahnen ab. Heute Morgen ein langes langweiliges Programm, heute Nachmittag ein langes, langweiliges und anstrengendes Programm, feine Unterschiede aber auch die Einzigen. Es war ein "Neverending Fight" zwischen 17.00 und 19.30 Uhr im belmekischen 25m-Becken. Neu ist, das wir nicht mehr alleine sind. Die Trainingsgruppe hat sich vergrößert. Seit gestern sind drei Langstreckenschwimmer aus Magdeburg mit am Start. Die teilen unsere Vorliebe für Unendliches...

7. März 2015: "Wer glaubt, das Extreme habe keine Folgen...

 

...frage die Natur." Es ist tatsächlich so, wir schneien langsam aber sicher ein. Mittlerweile geht hier niemand mehr davon aus, dass wir vor Beginn der Schneeschmelze im Juni wieder vom Berg runter sind. Hat einen großen Vorteil, wir werden mit riesig vielen Trainingskilometern zu den Freiwassermeisterschaften anreisen. Möglich ist auch, dass bis dahin keiner mehr etwas von uns hört. Richtig, es gibt mal wieder Stromausfall. Und was soll man sagen, den letzten beißen die Hunde, nicht wahr, Pascal...

8. März 2015: "Wer Harmonie sucht...

 

...soll in einen Gesangsverein eintreten." Die Sitten auf dem Berg werden rauer. Das liegt zum einen an den vielen Stunden, die wir gemeinsam unter schwerster Belastung verbringen, zum anderen an der nun völligen Abgeschiedenheit. Wir sind tatsächlich von der Außenwelt abgeschnitten. Seit zwei Tagen kommt hier keiner mehr hoch und keiner mehr runter. Strom gibt es nur noch stundenweise, die Sporthalle ist auf einstellige Gradzahlen runtergekühlt. Geschwommen wird dennoch unaufhaltsam, wir haben da dieses große dreistellige Ziel vor Augen...

9. März 2015: "Hindernisse überwinden...

 

...ist der Vollgenuss des Daseins." Das war heute ein großer Tag des Überwindens. Zunächst die eigene Schmerz- und Belastungsgrenze im Untergeschoss auf den fünf Bahnen, nachmittags die Schneemassen vor der Haustür. Der Tag begann mit einem gemeinsamen 15x400 Freistil Test. Ein hartes Stück Arbeit für Rostock und Magdeburg. Der Nachmittag war frei. Mit einem Flachköpper vom ersten Stock in die Schneemassen ging es auf den Weg Richtung Heimat. Gleich vorweg, weit sind wir nicht gekommen. Der vierte Tag in Folge, an dem hier keiner den Berg verlassen konnte...

Um Erfolg zu haben, brauchst du nur eine einzige Chance.

(Jesse Owens)

Zum Geburtstag wünschen dir, Jonas, deine Trainingsgruppe und deine Trainerin alles Gute!

10. März 2015: "Der Weltuntergang am frühen Morgen...

 

...kann einem den ganzen Tag versauen." Und nein, damit meinen wir nicht den Geburtstag von Jonas. Dem gratulieren wir alle samt ganz herzlich und wünschen nur das Beste. Keine böse Vorahnung, so wie sie heute morgen in Papierform auf dem Frühstückstisch lag. Das bestellte Essen ist nicht mehr vorrätig, es gibt jetzt die letzten Reste aus der Küche. Tatsächlich, auch heute keiner bergauf, keiner bergab. Einsamkeit bekommt hier eine ganz neue Definition. Und sie löst einen ganz neuen Wettstreit zwischen Rostock und Magdeburg aus. Es ist nicht mehr wichtig, nur der Schnellste im Becken zu sein, sondern es wird versucht, auch auf dem Weg zum Kiosk vorbeizuziehen...

11. März 2015: "Dass etwas schwer ist...

...muss ein Grund mehr sein, es zu tun." Und da sind drei Schwimmer aus Rostock, die es getan haben. Paul, Pascal und Ole haben die 100km-Marke in sieben Tagen geknackt! Und noch etwas ist passiert. Es gab einen Personalwechsel hier oben, was bedeutet, dass wir nicht mehr abgeschnitten sind von der Außenwelt. Und tatsächlich fiel auch bis 16.00 Uhr kein Schnee heute. Der Kiosk hat wieder Schokolade, es gab panierten Schafskäse statt Linseneintopf und ein Lächeln von unserer Lieblingsbedienung...

12. März 2015: "Aber Männer folgen nun mal keinem Titel...

 

...nur dem Mut folgen sie." Die großen Umfänge sind geschafft, wir befinden uns in der letzten Woche und wieder im weitaus angenehmeren 2,5-Tage-Rhythmus. Zwei große Schlachten wurden heute geschlagen. Früh auf den fünf Bahnen der Kampf um die 30x200 Freistil, eine ganz harte Schlacht mit einigen Verlusten, dann am Nachmittag der Kampf des William Wallace gegen die englische Besetzung, eine ganz lange Schlacht mit noch mehr Verlusten. Zwischenzeitig waren wir im Schnee spielen. Reifenspuren wecken die Hoffnung auf eine Rückkehr in sechs Tagen...

13. März 2015: "Der Irrsinn ist bei einzelnen etwas seltenes...

 

...aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.“ Nach einem halben freien Tag folgt selbstverständlich wieder einer mit viel Aufenthalt im Untergeschoss. Nach dem gestrigen langen Test war es heute Morgen mal nicht ganz so intensiv, also das Training, nicht die Diskussionen. Die bulgarischen Ringer haben uns heute verlassen, die Sauna war abends endlich mal leer und es gab keine unzumutbaren Aufgüsse...

14. März 2015: "Die größte aller Künste ist die des Zusammenlebens."

 

17 Tage lang befinden wir uns bereits in der Einöde des Rilagbirges auf 2050 Meter Höhe. Die gemeinsamen Trainingskilometer sind kaum noch zusammenzuzählen, die Stunden im Kraftraum summieren sich unaufhaltsam und die Unterrichtsstunden werden auch nicht weniger. Das Publikum um uns hat sich geändert, mit erschrecken konnten wir heute die ersten Touris hier oben begrüßen. Nichts mit Einsamkeit in der Sauna abends...

15. März 2015: "Die Natur braucht sich nicht anzustrengen...

 

...bedeutend zu sein. Sie ist es." Es war der letzte halbe Tag für uns auf dem Belmeken und wir haben das Paradies gesehen. Es ist unfassbar, wie schön die Natur hier oben sein kann, keine Fußspuren, nur unsere. Stundenlang waren wir in den Bergen unterwegs und haben gestaunt, über die Weite, die Stille und die Schönheit dessen. Tatsächlich ein unglaublicher Anblick...

16. März 2015: "Man ist schlecht beraten...

 

...wenn man nur mit Menschen zusammenarbeitet, die nie widersprechen." Rückanpassung nennt sich der Wahnsinn, den wir hier gerade betreiben. Die Kilometer werden wieder etwas weniger, die Intensität beim Schwimmen nimmt deutlich ab, die Zwischenfälle während des Trainings deutlich zu. ("Schöne Schwimmkombination" - "50 locker beliebig" - "Ja, richtig!") Kein Wunder, dass mittlerweile der Eine oder Andere hinterhertrudelt....

17. Mai 2015: "Was man mühelos erreicht...

 

...ist gewöhnlich auch nicht der Mühe wert." Da ist es geschafft, die letzte Trainingseinheit auf 2050m Höhe gehört der Vergangenheit an. 1380 Schwimmkilometer haben wir gemeinsam zurückgelegt, mit dem heutigen Tag wären wir also unserer Heimat ein ganzes Stück näher gekommen. Es war unglaublich anstrengend und vielleicht gerade deshalb eine Gruppenleistung, die uns gemeinsam stolz sein lässt. Wir verlassen den Berg etwas schneeblind, den Flashback Friday und Tina Turner noch in den Ohren...

Es hat noch niemand etwas Ordentliches geleistet, der nicht etwas Außerordentliches leisten wollte.
(Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach)

 

Ich bin sehr stolz auf eine Trainingsgruppe, die jederzeit bereit war, sich durch dieses Stück harte Arbeit durchzukämpfen. Mein erstes Höhentrainingslager mit keinem einzigen weggelassenen Kilometer, ihr seid verdammt eisern! Danke für drei, in jeglicher Hinsicht, unterhaltsame Wochen, die mir unglaublich viel Motivation für die Kommenden gegeben haben! Eure Trainerin