Höhentrainingslager Belmeken/Bulgarien

6.-26. Mai 2014

Vom 6.-26. Mai 2014 befindet sich die TG Mundt mit Sarah Wendt,

Paul-Arwed Böttcher, Noel Pascal Thiel, Carl Christian Nehls und Ole Christian Eisenberg in der Einsamkeit des Rilagebirges, um mit voller Konzentration und ohne Ablenkung die anstehenden Deutschen Jahrgangsmeisterschaften im

Becken- und Freiwasserschwimmen vorzubereiten.

Tag 1: "Im Nebel ruhet noch die Welt... (Eduard Mörike)

 

...noch träumen Wald und Wiesen." Im tiefsten Nebel haben wir den Berg erklommen und befinden uns nun zum zweiten Mal auf dem Belmeken im Höhentrainingslager. Und wie schön ist der Moment, in dem man feststellt, dass sich nichts verändert hat. Der Weg in die Berge löst gerne Übelkeit aus, das freundliche Küchenpersonal serviert Käse, die Betten sind steinhart und da ist uns klar - es kann losgehen!

Tag 2: "Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen." (Aristoteles)

 

Wir sind ins Training gestartet, zweimal Athletik, zweimal Wasser. Was können wir Freudiges berichten? Wir sind wieder alleine in der Schwimmhalle - fünf Sportler, fünf Bahnen. Das Essen ist noch besser als letztes Jahr, das Küchenpersonal noch netter. Mit uns sind einige bulgarische Ringerinnen hier, das zwingt zur Zurückhaltung. Die Sauna läuft auf Hochtouren, Oles Musikbox im Kraftraum auch. Wir sind motiviert gestartet und gewillt, mit unerbittlicher Trainingsbereitschaft zu arbeiten!

Tag 3: All-inclusive aber leider kein Urlaub...

 

Nun ist es soweit, der Trainingslageralltag hat uns im Griff. Zweimal Athletik, zweimal Schwimmerchen, einmal Unterricht - eine brisante Mischung, die auf jeden Fall tagesfüllend ist. Highlight sind da die Mahlzeiten. Und hier wird man verwöhnt mit mindestens vier Gängen. Na gut, wenn wir ehrlich sind, gab es da auch ein bißchen Mittagsschlaf. Aber in der Ruhe liegt die Kraft und die werden wir brauchen...

Tag 4: "Berge sind stille Meister und...

 

machen schweigsame Schüler." (Johann Wolfgang von Goethe) Wie wahr das ist, hat uns dieser vierte halbe Trainingstag gezeigt. Morgens stand der erste Test auf dem Programm, solide gemeistert. Den Nachmittag haben wir in der Wildnis verbracht. Und der Ansporn war so groß, es sollte gleich bis zum Gipfelkreuz gehen. Allerdings haben wir es etwas früher als letztes Jahr, die Schneedecke war somit auch etwas dicker als letztes Jahr, der Wind durchaus kräftiger, aber eins blieb konstant - die funktionelle Wanderbekleidung. Was uns natürlich nicht abhielt, hinterher aber in die Sauna trieb.

Techniktraining ist...

 

...die systematische, anforderungsspezifische Optimierung der Bewegungskoordination. Anforderung war in diesem Fall die neue Wettkampfbestimmung hinsichtlich des Rückenanschlages: "§ 127 Rückenschwimmen: Der Zielanschlag darf nicht mehr völlig untergetaucht erfolgen." Wir gehen davon aus, dass man mit dieser Ausführung auf der sicheren Seite ist...

Tag 5: "Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode."

 

(William Shakespeare) Mittlerweile sind wir seit fünf Tagen hier oben in der Einsamkeit, haben nur das Training und uns. Viel Neues gibt es nicht. Da waren wieder zwei Einheiten Athletik und zwei Schwimmen, wieder vier Gänge und ein nettes Lächeln des Küchenpersonals (wobei vermutlich nationale Erbsenwochen in Bulgarien sind). Da ist man fast erschrocken, wenn sich mal ein Fremder in die Schwimmhalle verirrt, wo seit Tagen nicht mal der Schwimmmeister nach uns geguckt hat...

Tag 6: "Disziplin bedeutet, dass man Dinge tut, die keinen Spaß machen...


...für alles, was man gerne tut, braucht man keine Disziplin!" (Lilli Palmer) Ja, das Training wird langsam umfangreicher und intensiver. Wenn dann noch Unterricht dazu kommt, hört der Spaß langsam auf. Aber nicht gänzlich. Ein kleines Fußballspielchen, die Sauna, Essen mit ganz viel Käse, immer wieder neue Spitznamen für alle Kandidaten und ein gemeinsamer Tatort-Abend heben die Stimmung.

Tag 7: Bei genügend Geschwindigkeit bremst der Fahrtwind...

 

Halbe Trainingstage haben etwas Angenehmes und etwas Anstrengendes. Das Angenehme: Es wird nur einmal trainiert. Das Anstrengende: Bei nur einmal muss auch was passieren. Standardtest ist da das Stichwort. Den freien Nachmittag haben wir im Sattel und in der Couchecke verbracht. Erstmal ging es mit den Rädern rein in die Wildnis, immer den Schafen nach. Anschließend wurde um die Straßen und Häuser in Rostock gespielt. Und was soll man sagen, der Sieg ging an die Nobelstraße...

Tag 8: "Man merkt nie, was schon getan wurde...

 

...man sieht immer nur, was noch zu tun bleibt." (Marie Curie) Immerhin liegt schon ein gutes Drittel hinter uns. Wir befinden uns im Umfangsgipfel, der Tageshöchstsatz an Kilometern wurde heute absolviert. Das gute und reichhaltige Essen und der gute und reichhaltige Schlaf machen alles möglich. Außerdem wechselt das Personal wöchentlich und wir haben wieder einen Schwimmmeister!

Tag 9: Mittwochsspaziergang: Vom Bett zur Schwimmhalle,...

 

...zum Kraftraum, zur Schwimmhalle und wieder zurück - und das Wetter hat auch mitgespielt. Wir haben die heiligen Hallen heute nicht verlassen, auch gar nicht versucht, denn draußen herrscht Unwetter. Gewitter, Regen, dann Schnee. Womit wir gerechnet hatten, war Stromausfall, was es stattdessen nicht gab, war Wasser aus der Leitung. Nicht schlimm, die Situation im Schwimmbecken blieb davon unberührt...

Tag 10: Leise rieselt der Schnee, still und starr ruht der See...

 

Tatsächlich, auf dem Belmeken herrscht wieder Winter und wahrscheinlich hat Sarah zu ihrem Geburtstag das erste Mal Schnee. Dieser Tag war für alle ein Feiertag, denn es wurde nur einmal trainiert, dafür allerdings sehr ausgiebig. Nach einer Mittagspause folgten wir wieder dem Ruf der Natur! Es war eisig draußen, der Nebel zog von den Bergen runter und wir haben auf das Erscheinen des 13. Kriegers gewartet...

Tag 11: "Wenn die anderen glauben, man ist am Ende...

 

...so muss man erst richtig anfangen." (Konrad Adenauer) Wir feiern heute Bergfest, zehn Tage liegen hinter uns, zehn Tage noch vor uns. Der Schongang ist vorbei, mittlerweile wird in dem Schwimmbecken richtig hart gearbeitet, Laktat bis in die Haarspitzen. Den Umfangsgipfel haben wir erreicht, nun wollen wir doch mal sehen, wie wir unsere Körper noch quälen können...

Tag 12: "Am Ende wird alles gut...

 

...leider befinden wir uns erst am Anfang vom Ende." (Ernst Ferstl). Dennoch hat die zweite Hälfte bereits begonnen. Die Tests werden kürzer und schneller, der Mittagsschlaf wird länger und notwendiger. Die Ringerinnen haben uns heute verlassen, endlich ist der große Kraftraum frei. Wir werden morgen mal gucken, welche Gewichte da noch zu holen sind...

Tag 13: "Wenn man die Natur wahrhaft liebt...

 

...so findet man es überall schön." (Vincent van Gogh) Der dreizehnte Trainingstag war wieder ein halber aber sehr langer Tag in der Schwimmhalle. So lang, dass keine Zeit mehr war, um nach den Gewichten im großen Kraftraum zu sehen. Nun ist es wirklich einsam hier, fünf Sportler, eine Trainerin, das Personal und zwei Hunde. Freier Nachmittag rief nach Wildnis! Wir waren auf den Rädern unterwegs...


Tag 14: „Angenehm sind die erledigten Arbeiten." (Marcus Tullius Cicero)

 

Es sind tatsächlich schon zwei Wochen um. Hier oben in den Bergen scheint die Zeit stillzustehen, kein Wunder es erinnert alles stark an "Und täglich grüßt das Murmeltier...". Nur dass es hier keine Murmeltiere, sondern nur Trainingspläne gibt. Und der war heute wirklich eine Herausforderung. Ergebnis des Tages: Alle haben sich mit letzter Kraft in die Sauna geschleppt...

Tag 15: "Der Muskel wird durch starken Gebrauch gestärkt...

 

...der Nerv hingegen dadurch geschwächt." (Arthur Schopenhauer) Es war wieder so ein Trainingstag von vielen, zweimal Athletiktraining, zweimal Schwimmen, fünf Sportler eine Trainerin. Zusammen mit nichts Anderem, kann das durchaus nervenaufreibend werden. Sehr gutes Essen und sehr gute Trainingsergebnisse sorgen aber immer wieder für eine Entspannung der Lage....

Tag 16: "Das Außerordentliche geschieht nicht auf glattem...

 

...gewöhnlichem Wege." (J. W. von Goethe) Der 16. Tag war ein schwerer Tag, in vielerlei Hinsicht. Das Training wird zunehmend anstrengender, die Zielvorgaben immer härter. Und wenn man sich schon so an den Rande des Machbaren bringt, warum am Nachmittag damit aufhören? Bei bestem Wetter ging es wieder in die Berge. Aber Obacht bei der Wahl des Sherpas. Heute führte er uns abseits der Wege mitten durch die dichten Wälder auf den Gipfel. Übrig blieben Kratzer und kaputte Hosen...

Tag 17: "Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun." (Goethe)

 

Ja , wir sind immer noch in der Einsamkeit der Berge, um uns fern aller Ablenkung in Form zu bringen. Mittlerweile unterscheiden sich die Tage nur noch durch die Hauptschwimmserien voneinander. Gemeinsam haben wir bis zum heutigen Tag 789,8km in dem Schwimmbecken hinter uns gebracht. Da lernt man nicht nur jede Kachel, sondern auch jeden Trainingskameraden sehr genau kennen...

Tag 18: Einsamkeit ist das Los...

 

...aller hervorragenden Geister. (Arthur Schopenhauer) Wem es noch nicht aufgefallen ist, wir sind jetzt seit mehr als zwei Wochen nicht mehr in Rostock gewesen. Und alles nur für einen Zweck: Die optimale Vorbereitung auf die anstehenden Wettkämpfe. Seit heute sind wir mit dieser Idee allerdings nicht mehr alleine hier oben in den Bergen. Der Sportkomplex hat sich gefüllt, bulgarische Wintersportler, mongolische Leichtathleten und der erste japanische Schwimmer sind angereist. Damit hatten wir heute ungewohnter Weise Gesellschaft in der Schwimmhalle...

Tag 19: "Filmen sie einlaufende Besatzungen, nie auslaufende...

 

...dann haben sie Bärte!" (Herr Kaleun - Das Boot) Wir haben unseren letzten freien Nachmittag auf dem Belmeken hinter uns gebracht und auch unsere Besatzung ist etwas bärtiger geworden. Der Vormittag endete mit einer mittlerweile umfangsreduzierten Schwimmeinheit und seitdem sitzen wir vor dem Fernseher und gucken die ungeschnittene Version "Das Boot". 282 Minuten U-Boot-Action, viele Männer auf engstem Raum über lange Zeit - wir konnten einige Parallelen ziehen...

Tag 20: "Der Sport ist ein sehr vernünftiger Versuch...

 

...des modernen Zivilisationsmenschen, sich die Strapaze künstlich zu verschaffen." (Peter Bamm). Das waren zwanzig Tage, überwiegend geprägt durch lange, sehr lange Aufenthalte in der einsamsten Schwimmhalle Bulgariens. Und nun, wo sich unser Aufenthalt dem Ende neigt, wird es spannend im Becken. Heute ist die bulgarische Nationalmannschaft angereist. Wir hoffen, dass das Wasser in der Schwimmhalle morgen kocht! Auf in die letzte Nacht und die letzte Trainingseinheit...

Tag 21:
довиждане, Belmeken!

 

Das waren sie, die 21 Tage im Höhentrainingslager in Bulgarien auf dem Belmeken, harte und anstrengende Tage. Aber das waren sie auch, fünf stets trainingsbereite, disziplinierte und wanderbegeisterte Sportler, willens, alle gestellten Anforderungen zu erfüllen. Unsere Gesamtbilanz: 98,6h Athletik und 943,1km Schwimmen -

viele Gründe, stolz auf euch zu sein!

 

"Erfolg hat nur, wer etwas tut, während er auf den Erfolg wartet."

(Thomas Alva Edison)