Trainingslager Belmeken - Mai 2013

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1. Mai 2013 - Anreisetag: Mal wieder Schnee, lange nicht gehabt...

 

Wir (das sind Annike, Paul, Christian, Christian, Christian und Frau Mundt) sind angekommen: Hochgebirgssportkomplex Belmeken, 2.050m über dem Meeresspiegel. Unruhiger Flug, unruhige Fahrt, unruhige Essenbestellung aber ansonsten absolute Ruhe. Drei Wochen auf dem Berg liegen vor uns ("Ausdauer wird früher oder später belohnt, meistens aber später"). 2011 hat der Bulgare Petar Stojtschew die Goldmedaille über 25km im Freiwasser bei den Schwimmweltmeisterschaften geholt. Mal sehen, wieviel morgen auf unserem Trainingsplan steht...

2. Mai 2013 - Tag 1: Wir lassen es ruhig angehen...

 

Der erste Trainingstag gehört der Vergangenheit an und wir haben es sehr ruhig angehen lassen. Essen gibt es reichlich, Trainingszeiten auch, Sportmöglichkeiten sowieso. Erwärmung in der Boxhalle, zweimal leichtes Schwimmtraining, Hausaufgabenstunde (ja, liebe Eltern, Beweisfoto liegt bei) und drei reichliche Mahlzeiten. Die Jungs sind in Level 55 angekommen, das erste Mittagsschläfchen wurde gehalten. Wir haben begonnen. ("Augenringe sind die Schatten großer Taten!")

3. Mai 2013 - Tag 2: Die Lage ist weitesgehend entspannt...

 

Nur noch neunzehn Tage liegen vor uns, fünf Trainingseinheiten wurden bereits absolviert. Die Lage ist entspannt, auch in der Boxhalle. Die Essenbestellung bleibt eine Überraschung, unsere Bulgarisch-Kenntnisse sind einfach noch nicht ausreichend. Carl muss ab morgen zum Mittagsschlaf gezwungen werden, genauso wie die Hunde nachts, beides wird durchaus sehr anstrengend. ("Wer die ganze Nacht schläft, hat am Tag Anspruch auf ein wenig Ruhe.")

4. Mai 2013 - Tag 3: 18.00 Uhr ein Jubelschrei in Zimmer 1312...

 

Harte, unsagbar harte Stunden liegen hinter uns. Nachdem es heute Nacht ein kleines Unwetter in den Bergen gab, hatten wir den ganzen Tag keinen Strom mehr, bis 18.00 Uhr. Aber die Sache hat auch was Gutes, Carl hat mittags geschlafen. Und so konnten wir ihn mit guter Laune zu einer Fahrradexpedition mitnehmen. Die Zeit hatten wir, der dritte Trainingstag war nämlich nur ein sehr Kurzer. Übrigens hat die Einsamkeit jetzt voll zugeschlagen, die 40 griechischen Schwimmer sind abgereist und wir haben das Becken für uns alleine. ("Willst du Gleichstrom oder erst später...")

5. Mai 2013 - Tag 4: Schweiß und Strom fließen...

 

Und wieder gehört ein voller Trainingstag der Vergangenheit an. Viel Positives gibt es zu berichten: Ganztägig Strom (sehr gut, was die Playstation betrifft), ausgedehnter Mittagsschlaf (sehr gut, was Carls Stimmung betrifft), lustige Reaktionsübungen im Boxraum (sehr gut, was Annikes Erheiterung betrifft), leeres Becken in der Schwimmhalle (sehr gut, was Frau Mundts Trainingsplanungen betrifft), gesprengtes Huhn zum Abendbrot (sehr gut, was Oles unstillbaren Hunger betrifft) und mal wieder Hausaufgabenstunde im Konferenzraum (sehr gut, was die Zuversicht der Eltern betrifft). Ob Delfinkicks oder Kolonialismus, wir werden immer fitter!

6. Mai 2013 - Tag 5: Die Situation ist immer wieder heikel...

 

In den Bergen ändert sich das Wetter ja fast stündlich und so sah es auch heute wieder verdächtig nach starkem Unwetter und daraus resultierendem Stromausfall aus. Schwer, in so einer ungewissen Situation mittags die Augen zu schließen. Aber das Training tut sein Übriges. Carl hat sich der Hunde und Ole der Speisereste der anderen Athleten angenommen. Wir kommen so über die Runden. Heute wurde erstmals der Boxraum gegen den Kraftraum getauscht, wie allgemein bekannt, muss ja was am Bizeps getan werden. ("Eisen macht dich stark, wenn du's anfasst.")

7. Mai 2013 - Tag 6: Die Spitze des Berges ist nur ein Umkehrpunkt (Messner)

 

Heute war wieder ein kurzer Trainingstag mit einem äußerst gelungenen Test. Belohnt haben wir uns mit einem Ausflug in die Höhen. Zielstrebig und teilweise mit sehr funktionellem Schuhwerk sind wir geklettert. Das Ergebnis war ein beeindruckender Blick auf das Rilagebirge. Und weil der Berg erst bestiegen ist, wenn man wieder runter kommt, blieb uns nichts anderes übrig. ("Der Weg ist das Ziel, behaupten alle, die ihn verloren haben.")

8. Mai 2013 - Tag 7: Und täglich grüßt das Murmeltier...

 

Die erste Woche ist rum, etliche Bahnen wurden zurückgelegt, unzählbare Liegestütze gemacht, hundertfach die Arme gekreist und wir sind immer noch am Anfang. Es sind die kleinen Dinge, die den einen vom anderen Tag unterscheiden: Ist das Kavyrma mittags mit Käse überbacken oder nicht, werden abends auf dem Flur kroatische Volkslieder gesungen oder nicht, gewinnt Paul an der Playstation oder nicht, wird alles erledigt, was auf dem Trainingsplan steht, ach nein, die Frage stellt sich nicht. ("Faulheit ist die Furcht vor bestehender Arbeit...")

9. Mai 2013 - Tag 8: "Man kann nicht immer ein Held sein...

 

...aber man kann immer ein Mann sein." (Goethe) So, zum Ehrentag des starken Geschlechts gab es heute Training wie schon in den letzten sieben Tagen. In Bulgarien ist heute auch gar kein Festtag. Ganz anders in Deutschland. Da feiert unser Trainingskamerad Björn seinen Geburtstag. Wir wünschen ihm das, was er sich auch wünscht und noch viel mehr! Wir stoßen auf dich an, mit einem schönen Glas Wasser!

10. Mai 2013 - Tag 9: Gegenwind formt den Charakter...

 

Freier Nachmittag bedeutet Ausflugszeit! Und was macht man hier oben in der Einsamkeit? Rauf auf´s Fahrrad und rein in die Natur. Nachdem die längste Einheit unseres bisherigen Aufenthaltes geschwommen war, haben wir uns bei bestem Wetter mal wieder in die Wildnis begeben. Ganz viel Sonne, ein bißchen Schnee, ein kleines Rinnsal, alles vor bergiger Kulisse. Herrlich!

11. Mai 2013 - Tag 10: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es...

 

Hier in den Bergen wird unaufhaltsam trainiert, zwei Schwimmeinheiten, ein bißchen Athletik - viel Ähnlichkeit mit den anderen vergangenen Tagen. Mittlerweile kennen wir die Eigenheiten unserer Mitstreiter: Carl spricht morgens nicht, Ole hat das mittags, Annike hat das nie. An der Schwimmhallensituation ändert sich auch nichts. Unsere beiden bulgarischen Sportfreunde sehen wir regelmäßig, ansonsten immer noch Einsamkeit! ("Keiner hier ist launisch, höchstens emotional etwas spontan...")

12. Mai 2013 - Tag 11: Wir sind über´n Berg aber kein Ende in Sicht...

 

Die Trainingsumfänge wachsen wie Carls Oberarme, die Stunden in der Schwimmhalle nehmen zu wie Christians Appetit auf Schokolade, die Kalorienzufuhr vergrößert sich wie Annikes Bedürfnis nach Mittagsschlaf. Wir feiern Bergfest! Es liegen nur noch elf Tage vor uns. In den dunklen Fluren des Erdgeschosses haben wir einen weiteren Raum entdeckt, um den Körper in Form zu bringen ("...von nichts, kommt nichts...")

13. Mai 2013 - Tag 12: Wie könnt ihr jetzt an Training denken...

 

Vielleicht sind wir nun schon ein bißchen zu lange in der Einsamkeit, umgeben von hohen Bergen in sehr dünner Luft. Seit heute morgen sind Carl und Paul davon überzeugt, dass nachts jemand in ihrem Zimmer war - paranormale Aktivitäten. Zugegebenermaßen ist es heute auch etwas düster da draußen, fast unheimlich. Passend dazu gibt es einen gemeinsamen Filmabend in Zimmer 1312. ("...denn ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett...")

14. Mai 2013 - Tag 13: In den Bergen mit den sportlichen fünf Zwergen...

 

Alles beim Alten hier in Bulgarien. Wieder ein Trainingstag erledigt, wieder einen Test geschwommen, wieder um den Nachtisch gestritten, wieder kroatische Gesänge genossen. Nein, etwas war neu heute, düstere Stimmung gibt es nicht nur in den Bergen sondern auch in der Schwimmhalle. Es war heute äußerst beschlagen dort unten, wahrscheinlich technische Probleme. ("...beobachten und weitermachen...")

15. Mai 2013 - Tag 14: "Ich brauche unbedingt Krafttraining...

 

..mir fehlt die nötige Spannung, ich fühl mich ganz ausgeleiert." Da kann man natürlich Abhilfe schaffen, und so war heute wieder einer der seltenen Tage, an dem wir den Boxraum verlassen und den Kraftraum betreten haben. Mittlerweile geht es rund in der Schwimmhalle, alle vorsichtige Rücksichtnahme ist vorbei, Laktat bis in die Haarspitzen. Wie sagte schon Profiradfahrer Rolf Järmann "Wenn man das alles mit einem Hund machen würde, würde der Tierschutzverein eingreifen..." Dennoch bleibt auch an so einem Tag die Zeit, sich an die Trainingskameraden in der Heimat zu erinnern und wir freuen uns über ein Geburtstagskind. Herzlichen Glückwunsch Sarah Wendt und alles Gute zu deinem Ehrentag!

16. Mai 2013 - Tag 15: Über dem Gipfelkreuz ist nur der Himmel...

 

Es hat uns einfach keine Ruhe gelassen. Vom Balkon aus konnte man es jeden Tag sehen: Das Gipfelkreuz. Heute musste es dann sein, freier Nachmittag, die Wanderung nach ganz oben. Durchaus weit, durchaus nass, durchaus steinig, durchaus steil, mehrere Vegetations- und Klimazonen auf dem Weg, alle Emotionen durchlebt. Aber wir sind angekommen, am höchsten Punkt. ("Die Kunst des Bergsteigens ist es, die Grenzen zwischen Feigheit und Wahnsinn zu erkennen.")

17. Mai 2013 - Tag 16: Die Beweislage ist erdrückend...

 

...es gibt sie wirklich: Trolle. So eine ausgedehnte Tour in den finsteren Bergen hinterlässt Spuren, das gestrige Unterhaltungsprogramm um 20.15 Uhr in Zimmer 1312 tut sein Übriges. Wir haben ausreichend Indizien für die Existenz von Bergtrollen hier oben auf dem Belmeken. Damit steigt, neben der erkennbaren Tendenz zum Lagerkoller, die Gefahr der Trollwutansteckung...

18. Mai 2013 - Tag 17: Da wird einem heiß und kalt...

 

Seit heute gibt es sehr große Temperaturunterschiede auf dem Belmeken. Da draußen ist Sommer mit angenehmer Wärme, in der Schwimmhalle herrscht arktische Kälte, ja die Technik. ("Können Muskeln gefrieren und dann einfach brechen?") Aber das härtet hoffentlich ab. Es geht nun merklich dem Ende entgegen, heute waren wir das letzte Mal im Kraftraum hier oben in den Bergen, was bedeutet, dass es jetzt an der Zeit ist, sich mit dem eigenen Oberarmumfang abzufinden. ("Selbstvertrauen ist wie ein Muskel - es wächst mit dem Training...")

Sonnige Grüße zu Pfingsten senden euch aus Bulgarien:

Jannika Schletzkova

Christo Wischettkov

Olegjan Eisenberkov

Costa Nehlschkov

Pavle Böttchov

Gospozha Mundlova!

19. Mai 2013 - Tag 18: On the road again...

 

Ja, wer hätte das gedacht, unser letzter freier Nachmittag in Bulgarien liegt bereits hinter uns und damit auch der letzte laktatintensive Test. Es war ein zäher Vormittag in der wenigstens wieder angenehm temperierten Schwimmhalle. Die Freude darüber ging etwas in der Trainingsserie verloren. ("Die Mittelmäßigen klopfen sich zu dem Zeitpunkt auf die Schulter, wo die Könner anfangen zu arbeiten." Matthias Scharlach, deutscher Personalmanager) Es haben sich natürlich alle durchgekämpft, mit mehr oder weniger Grundsatzdiskussionen. Nach dem Mittagsschläfchen ging es ein letztes Mal in die Einöde. Wir haben den Stausee per Rad halb umrundet. Bleibt ein gemeinsamer Filmabend in Zimmer 1312, um diesen erfolgreichen Tag abzurunden.

20. Mai 2013 - Tag 19: Wir sind wieder bei lang und langweilig...

 

"Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten." (Albert Einstein). Rückanpassung ist die Beschönigung von sehr langen langweiligen Trainingsprogrammen. Jeder Sportler versucht anders mit dieser Situation umzugehen. Auf Platz eins liegen sinnlose Diskussionen mit der Trainerin, auf Platz zwei situationsabhängige flexible Abgangszeiten, auf Platz drei Verwirren der Trainingskameraden durch Neuinterpretation der Trainingsserien. Aber 19 Tage am Beckenrand härten ja ab...

21. Mai 2013 - Tag 20: "Am Ende wird alles gut...

 

...wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende!" (Oscar Wilde) Unglaublich aber wahr, die letzte Nacht auf dem Belmeken liegt vor, der letzte volle Trainingstag bereits hinter uns. Man muss es nicht schön reden, nach 21 Tagen haben wir alle Sehnsucht nach der Heimat. In großer Hoffnung auf den besten Obstsalat geht es jetzt ins Restaurant, heute abend gibt es noch eine kleine teambildende Maßnahme. Mit großer Erleichterung blicken wir auf die letzte Trainingseinheit auf dem Trainingsplan.

22. Mai 2013 - Tag 21: Wir sind dann mal weg...

 

Wenn es am Schönsten ist, soll man bekanntlich aufhören. Damit verlassen wir heute nach 21 Trainingstagen den Berg. Intensiv und ausdauernd wurde hier oben in der Einsamkeit an der Form gearbeitet. Gute Stimmung in der Trainingsgruppe gab immer wieder Motivation. Schön war es. Ich wünsche euch, dass ihr für diese Mühen und Anstrengungen belohnt werdet! ("Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf freut." Arthur Schnitzler)