Höhentrainingslager Belmeken

24. März - 13. April 2016

Auf dem Belmeken mitten im Rilagebirge Bulgariens in 2050 Meter Höhe wird drei Wochen lang hart an der Form gearbeitet. Neben den höhentrainingslagererfahrenen Schwimmern Pascal, Paul, Liam und Jonas geht es für unseren Gast Leon und die Jüngste Emma erstmals in diese Extreme.

Zum internen Bereich der Sportler geht es hier: Belmeken intern

Noch 20 Tage...

"Beginnen können ist Stärke, vollenden können ist Kraft." (Goethe)

 

​Es ist Donnerstag und der Flughafen Tegel ist voll. Da sind so viele Menschen, die in den Urlaub fahren, vor uns liegen schließlich viele freie Osterfeiertage. Uns ist allerdings falsch. Wir stehen auch auf dem Flughafen, haben auch gebucht, wahrscheinlich wird es kein Urlaub. Die Gewissheit haben wir kurze Zeit später. Pünktlich auf 2050m Höhe angekommen, beginnt pünktlich die erste Trainingseinheit. Wir sind frohen Mutes, machen das ja nicht zum ersten Mal...

Noch 19 Tage...

"Zu jeder bedeutenden Tat gehört eine gewisse Naivität, um nicht vor der Größe des Vorhabens zurückzuschrecken.​" (Rentrop)

 
Die erste Nacht auf dem Berg liegt hinter uns, der erste volle Trainingstag auch. Bislang trainieren die Schwimmer aus Halle vor uns, ab Sonntag die aus Kroatien nach uns. Die Lage in der Schwimmhalle ist ruhig, bei sechs Sportlern und fünf Bahnen lässt sich sehr gut die Übersicht behalten. Was auch nicht schlecht ist, heute kam schließlich zum ersten Mal die Stoppuhr zum Einsatz. Wir sind gut gestartet, auch wenn es für Liam zwei bis vier Monate zu früh ist...

Noch 18 Tage...

"Alles menschliche Können ist eine Summe von Geduld und Zeit." (Balzac)

 

Zeit haben wir ohne Ende, für Training, für Training, für Essen, für Schule, für Training, zum Schlafen. Den heutigen Tag könnte man wie eine Schablone über den Gestrigen legen, kaum Abweichung. Doch, eine unübersehbare Veränderung gibt es in der Schwimmhalle. Acht Edelsprinter aus Kroatien sind angereist. Es wurde kurz dunkel in den heiligen Hallen. Und wer "300" gesehen hat, weiß in etwa, welches Bild sich uns da bot. Wir sind beeindruckt, auch von der Freundlichkeit der Jungs und gehen noch ein bisschen motivierter in die Krafträume...

Noch 17 Tage...

"Freizeit besteht nicht im Nichtstun sondern in dem, was wir sonst nicht tun." (Unbekannt)

 

Der vierte Tag im bulgarischen Gebirge war tatsächlich mal anders. Früh wurde hart trainiert, der erste lange Ausdauertest stand an. Danach gab es Höhen und Tiefen in der Sporthalle. Die gab es am Nachmittag auch wieder, zum Glück nicht emotional. Die zweite Hälfte des Tages war trainingsfrei. Es ging raus in die Weiten des Rilagebirges in einen Wechsel aus Sonne und Schnee, in einen Wechsel aus Berg und Tal. Wohlgemerkt, überall lässt sich eine Abkürzung finden, außer auf dem Weg zum Superstar...

Noch 16 Tage...

"Du musst bereit sein die Dinge zu tun, die andere niemals tun werden, um die Dinge zu haben, die andere niemals haben werden."(Brown)

 

Ja tatsächlich, Luschi-Puschi ist hier oben vorbei. Die Umfangswoche hat begonnen, wir sind in den 3,5-Tage-Rhythmus gestartet. Da bleibt wenig Zeit, die Tage sind vollgepackt. Frühstück, Schwimmtraining, Athletiktraining, Mittagessen, Unterricht, Schwimmtraining, Abendessen, Heia. Aber es gibt immer wieder Teilziele. Der nächste Höhepunkt wird das Fußballmatch gegen den SV Halle am Mittwoch. Bis dahin werden wir an Form und Taktik feilen...

Noch 15 Tage...

"Am Ende wird alles gut. Leider befinden wir uns erst am Anfang vom Ende." (Ferstl)

 

Tatsächlich nähert sich aber unsere erste Woche bald dem Ende und wir haben gerade bei zehn Kilo Fleisch und Schafskäse gemeinsam entschieden, dass die Zeit hier oben ziemlich schnell vergeht. Liegt mit Sicherheit an der Rundumbeschäftigung. Auch heute gab es einen übersichtlichen Wechsel zwischen Schwimmhalle, Kraftraum, Essenraum und Unterrichtsraum. Aber wir haben hier ja Gleichgesinnte gefunden und bei langen Einheiten vergnügen wir uns gemeinsam auf den fünf Bahnen im Keller. Für die Fans und den Vorverkauf, Anstoß ist morgen um 17.30 Uhr...

Noch 14 Tage...

"Einige Leute halten Fußball für einen Kampf auf Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es weit ernster ist." (Shankley)

 

Es wäre wahrscheinlich sinnlos, hier jetzt einen großen Spannungsbogen aufzubauen. Es ist wie es ist, Rostock war Halle mit zehn zu dreizehn unterlegen. Wir haben schon einige Ausreden zusammengekratzt, um das Ergebnis zu rechtfertigen. Schlussendlich sind sich aber sechs Teilnehmer dieser Expedition einig, dass es daran liegt, dass in der Rostocker Schwimmhalle zu wenig Fußball gespielt wird...

Noch 13 Tage...

"Nicht der Berg ist es, den man bezwingt, sondern das eigene Ich." (Hillary)

 

Der heutige Tag begann teils bewölkt und endete mit strahlendem Sonnenschein. Der erste 3,5-Tagerhythmus und das harte Spiel gegen Halle hatte unerwartete Auswirkungen auf das Frühtraining. Nach durchwachsenen Testergebnissen galt es nun, die Stimmung wieder auf Vordermann zu bringen. Bei strahlendem Sonnenschein ging es in die Berge. Wandern in der Höhe ist mit Sicherheit kein Spaziergang aber mit eisernem Willen haben wir uns im tiefen Schnee zur ersten Plattform gekämpft. Bergab ging es deutlich schneller, allerdings auf großen Flächen des Körpers...

Noch 12 Tage…

„Ich kann, weil ich will, was ich muss.“ (Kant)

 

Wir sind in den zweiten 3,5-Tage-Rhythmus gestartet. Und wie schon im Letzten, ist nichts Außergewöhnliches passiert. Morgens in die Schwimmhalle, mittags in den Kraftraum, nachmittags in den Unterrichtsraum, abends in die Schwimmhalle. Schockierender Weise waren zum Abendbrot alle Plätze im Essenraum eingedeckt. Wir erwarten wohl viel Besuch hier oben. Bislang sind keine Informationen durchgesickert. Wir bleiben wachsam…

Noch 11 Tage…

„Man soll nicht aufhören, bevor es am schönsten ist.“ (Ludin)

 

Wir stecken mitten drin, im Kampf um die Kilometer, im letzten 3,5-Tage-Rhythmus. Inhaltlich kann einfach der gestrige Tag gelesen werden, so sah es heute auch aus. Die Gäste sind abgereist, es war letzte Nacht eine Tanzveranstaltung hier oben auf dem Berg. Ein Teil der bulgarischen Ringer hat den Berg verlassen, die bulgarischen Springerinnen sind weg, Halle packt die Koffer. Gegen das Gefühl der Einsamkeit muss man arbeiten, muss man für das Ausschütten von Glückshormonen sorgen, muss man in den Kiosk, muss man alles kaufen, was Schokolade enthält…

Noch 10 Tage…

„Jedes Spiel hat zwei Halbzeiten.“ (Happel)

 

Wir sind auf dem Berg über dem Berg! Heute Mittag ist es passiert, das Soll ist kleiner als das Ist! Und noch was bereitet Freude. Die drei vollen Trainingstage gehören der Vergangenheit an, in der kommenden Woche gibt es demnach einen freien Nachmittag mehr. Um das gebührend zu feiern, haben wir heute auf die Unterrichtszeit verzichtet und Fußball gespielt. Ein Unentschieden und Torte zum Abendessen runden unser Bergfest ab…

Noch 9 Tage…

„Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse eine Spur.“ (Paul)

 

Heute war wieder einer der wenigen besonderen Tage hier oben. Nur eine einzige Trainingseinheit stand auf dem Plan, der Nachmittag war frei und konnte Unternehmungen gewidmet werden. Der Strömung flussabwärts folgend, kommt man ins Tal. Die Theorie war allen klar, die Umsetzung mit Hindernissen verbunden. Aber als geübte Pfandfinder haben wir sie alle überwunden und den direkten Weg zum Kiosk gefunden. Welch gutes Gespür…

Noch 8 Tage…

„Es kann viel passieren zwischen jetzt und niemals“ (Game of Thrones)

 

Wir haben den Belmeken verlassen und befinden uns nun irgendwo zwischen Westeros und Essos. Es gleicht einem Fieber, was hier um sich greift. Kaum ein Zimmer ist verschont von den Machtkämpfen zwischen dem Haus der Baratheon und dem Haus der Lennister. Wir haben hier oben keine stabilen Internetverbindungen. Wir haben hier oben aber 40 Folgen „Game of Thrones“. Das, was passiert ist, war unvermeidbar. Alle Regenerationsphasen werden im fiktiven Mittelalter verbracht. Aber so herrscht wenigstens angenehme Ruhe…

Noch 7 Tage…

„Die Schwierigkeiten wachsen, je näher man dem Ziele kommt.“ (Goethe)

 

Die letzte Woche bricht an, es bleiben nur noch sechs Trainingstage, die es gilt, zu überstehen. Mittlerweile ist allen klar, dass das hier oben kein Spaziergang ist. Die Einheiten sind lang, unter zwei Stunden geht hier pro Besuch in der Schwimmhalle im Moment nichts. Dazu kommen Athletik und Unterricht. Das reduziert die Mittagspause an normalen Trainingstagen auf gerade mal eine Folge Game of Thrones, also eine Stunde. Umso mehr genießen wir die Abende…

Noch 6 Tage…

„Wer seine Kraft bewahren und seinen Geist ausruhen lassen kann, wird Nerven wie Stahl bekommen.“ (Mulford)

 

Wir befinden uns in der letzten Woche und im vorletzten intensiven Trainingsabschnitt. Die Tests werden kürzer aber auch deutlich schneller. Die Ermüdung steigt merklich an, das Bedürfnis nach Pausen im Liegen auch. Der Nachmittag war frei, das war auch dringend nötig. Es gab einen kleinen Ausflug ins Gebirge und in den Kiosk, für mehr reicht die Muße und Kraft im Moment nicht. Aber tatsächlich sind es nur noch neun Schwimm- und drei Athletikeinheiten. Wir sind ja zäh, das geht auch noch…

Noch 5 Tage…

„In der Wiederholung liegt die Vertiefung!“ (Rath)

 

Mittlerweile fühlt sich ein Tag wie der Andere an. 7.30 Uhr Frühstück, ganz viel schwimmen und Gewichte stemmen, 12.30 Uhr Mittag, ganz viel lernen und wieder ganz viel schwimmen, 19.00 Uhr endlich wieder ganz viel essen und anschließend ganz viel schlafen, bis 7.15 Uhr. Wir müssen das Prozedere morgen noch durchhalten, dann gibt es am Sonntag den letzten halben Trainingstag und anschließend die mittlerweile schwer ersehnte Rückanpassung. Auch beim Essen regiert hier aktuell die Wiederholung. Immer wieder Fisch, keine Pfannkuchen…

Noch 4 Tage…

„Man schafft mit der Mannschaft, damit man es schafft mit der Mannschaft!“ (Fuchs)

 

Heute gab es Grund zur Freude! Die letzte lange Schwimmeinheit liegt hinter uns, ab morgen geht es nur noch abwärts. Ansonsten ist es schwer, hier von Sachen zu berichten, die noch nicht zuvor zu lesen waren. Ein Tag wie viele andere, Schwimmen, Athletik, Unterricht, Schwimmen. Ach doch, es gab Veränderungen. Der bulgarische Weltmeister im Ringen hat heute nach fünf Wochen den Berg verlassen, mit ihm das gesamte Team. Es wird wohl ab morgen öde in der Muckibude. Neben den unglaublichen Workouts der Jungs werden wir wohl auch den bulgarischen Rap, Hip und Techno in voller Lautstärke vermissen…

Noch 3 Tage…

„Das Wasser ist ein freundliches Element für den, der damit bekannt ist und es zu behandeln weiß.“ (Goethe)

 

Überraschender Weise hatten wir heute Wasser aus verschiedenen Richtungen. Zunächst von unten, in den Tiefen des Sportkomplexes, nachmittags dann leider auch von oben und zwar in Form von Regen. Der Frühling ist vorerst Geschichte. Schlechtes Wetter und elf Grad beherrschten den freien Nachmittag. Um hier nichts zu riskieren, dafür haben wir schließlich zu viel investiert in den vergangenen Tagen, wurde es ein sehr gemütlicher freier Nachmittag mit Mittagsschläfchen, Computerspielen, Fernsehen, Kiosk, Schokolade und einem ungeschlagenen Sieger im Dobble. Glauben wir der aufgestellten Theorie, ist die Reaktionsfähigkeit im Alter von achtzehn Jahren nun mal am besten ausgeprägt…

Nur noch 2 Tage…

„Die Ewigkeit dauert lange, besonders gegen Ende.“ (Allen)

 

Der Moment ist gekommen, in dem wir hier bestimmte Dinge das letzte Mal machen. Die letzte Athletikeinheit liegt hinter uns, die letzte Unterrichtszeit auch. Die letzte volle Nacht liegt noch vor uns, die beiden letzten Schwimmeinheiten auch. Zwischenzeitig sind hier Athleten der Vereinigten Arabischen Emirate angereist. Kampfsportler, wir treffen in den weitläufigen Trainingsräumlichkeiten nicht aufeinander. Unsere Lieblingsbedienung hat den Berg leider schon heute vor uns verlassen, das bedauern wir sehr. Ansonsten genießen wir die entspannteren Trainingsprogramme und freuen uns mittlerweile auf zu Hause…

Nur noch 1 Tag…

„Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eigene Leistung.“ (Einstein)

 

Wir haben die Sache erledigt und sind es auch. Zwanzig Tage lang wurde auf 2050 Meter Höhe fleißig gesportelt. Lange langweile Einheiten, lange weniger langweilige Einheiten und lange sehr langweilige Einheiten sind durch. Aber auch starke Trainingstests, starken Wille und starke Disziplin gab es in den vergangenen Tagen zu Genüge. Die Gruppe ist zusammengewachsen und hat sich gegenseitig gestärkt. Mit einem stolzen Klopfer auf die Schulter packen wir nun die Koffer und begeben uns heute Nacht auf die Reise, zurück nach Hause…